PART 1

36 Jahre gleiche Firma…? Klar doch!
Und es war nie langweilig…. ganz im Gegenteil =D !

Once upon a time…. Als Fotos oft noch schwarz/weiss waren und Clouds nur Wettererscheinungen…

Nachdem ich in den Jahren 1983 (10 Monate) und 1984 (3 Monate) auf grosser Südost-Asien-Reise war, dachte ich nach der zweiten Reise, es sei nun Zeit meinen Lehrbetrieb zu verlassen und fragte daher im August 1984 meinen damaligen Chef, ob er nicht mal im Tennis-Club Kari Hoppler von der Agro-Data fragen könne ob er einen begeisterungsfähigen Radio-TV-Elektriker (mich!) als Techniker in seiner Computer-Bude brauchen könne…. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass Computer und das ganze drumherum, vermutlich eine ziemlich grosse Zukunft haben könnte (ich hätte also ebenso gut auch Hellseher werden können! =D und es daher sicher spannend wäre mich in dieser neuen Branche ein bisschen umzuschauen.

Leider war dann die Antwort, dass man keinen Techniker benötige und auch nichts geplant sei, da der Fokus auf der Software-Entwicklung liege…. 

5 Wochen später, nach einem Tennis-Match zwischen René Graber und Kari Hoppler, bekam ich einen Telefonanruf von Kari, mit der Mitteilung, dass er sich spontan umentschieden habe und er eigentlich doch gerne jemanden wie mich möchte… Ich könne daher gleich am nächsten Montag Morgen anfangen… OK, ich entscheide zwar gerne und meistens spontan und aus dem Bauch heraus, aber irgendwie ging es nun doch ein bisschen gar schnell. Für mich waren vorerst noch ein paar ungeklärte Fragen offen:

Kann ich auch erst nachdem ich bei meiner alten Stelle gekündigt habe anfangen? Und eigentlich die wichtigste Frage überhaupt… was ist genau mein Job? 

Auf die erste Frage gab es ein «wenn es nicht anders geht» und auf die zweite Frage ein «wir schauen dann mal, ein bisschen programmieren, ein bisschen PC zusammenschrauben, halt was man so macht in einer Computer-Firma»… Da ich bisher gar keine Berührungspunkte zur IT hatte und weder programmieren konnte, noch wusste «was man so macht» in einer Computer-Firma, war ich ein bisschen ratlos, dachte dann aber «wer nichts wagt, der nichts gewinnt»… also habe ich ins Blaue hinaus zugesagt und der Rest ist dann eine 36-jährige Geschichte geworden… =D

 

Mit diesem ersten Lohnzettel vom Oktober 1984 hat übrigens alles begonnen… Brutto-Lohn minus 2 Abzüge… fertig.

Die ersten Computer oder alle war schwer und teuer…

Der legendäre PDF 11/70 in unserem Computerraum. Mit den Front-Kippschaltern musste jeweils die Bootadresse eingegeben werden, bevor dann mit ohrenbetäubendem Lärm die Ventilatoren, die CPU und die Disks hochfuhren. 

Im Hintergrund gut zu sehen die Bandstationen (wo es laufend irgend ein Sicherungsband verwurstelt hat) und die als Waschmaschinen getarnten Wechseldisk-Laufwerke… bei diesen musste der Service-Techniker jeweils regelmässig bei der Wartung einen Ölwechsel durchführen und die nicht seltenen Head-Crashs haben in die 20 MB-Harddisk-Platten jeweils tiefe Furchen gepflügt.

 

Hier auch noch schön zu sehen, der Lochkarten-Leser, welcher von der damaligen Datentypistin (genannt Schlüsseli) bedient wurde.

Der alte IBM-Rechner auf der rechten Seite wurde dann kurze Zeit später fachgerecht entsorgt:

Man sieht in dieser historischen Aufnahme auch einige sehr bekannte Mitarbeiter aus dieser Gründer-Zeit. (Ich hatte übrigens bis vor ein paar Wochen keine Ahnung, dass so ein Video existiert und weiss auch nicht, wer dies damals filmte)

Das DEC VT100 Terminal war zu Beginn meiner IT-Karriere wohl das Gerät, welches ich am meisten reparierte und bei jedem Gewitter mussten immer wieder die gleichen MC1488 und MC1489 Halbleiter ausgewechselt werden. Mühsam, aber ein gutes Geschäft. Irgendwann wurde mir die Löterei zu dumm und ich begann in jedem reparierten Gerät Stecksockel einzulöten. Die Reparatur nach einem Blitzschlag war dann innert Minuten erledigt, die Rechnung blieb aber gleich hoch. 

In die gleiche Kategorie gehörte der C.Itoh CIT-101e, welcher entweder mit diesem schicken orangen oder mit einem giftig-grünen Hintergrund erhältlich war.

Passend dazu gab es dann auch noch eine Textverarbeitung zu kaufen mit dem Namen LexWare… eine Applikation, welche nur mit unglaublicher Finger-Akrobatik zu bedienen war. 

Officeman war dann die komplette Büro-Software… sozusagen das Office aus der Steinzeit. Um dieses Programm zu bedienen musste man dann auch noch fast Programmierer sein. (dafür gab es echtes Matrix-WYSIWYG-Feeling auf den ASCII-Terminals, wie man hier sehr schön sieht. =D

Dieser legendäre PDP-Rechner waren ein echter Verkaufsschlager und unser erfolgreichstes und margenträchtigstes Produkt «ever».

Eigentlich wurde damit auch der Grundstein für das spätere Wachstum der Agro-Data gelegt. Vermutlich gäbe es heute auch keine BitHawk, wäre dieser PDP-Mini-Computer mit den selbstentwickelten Programmen für die Landi und dem genialen Betriebssystem RSTS / E (wo Pierre Rügländer von der Data-Unit eine enorm wichtige Rolle spielte mit seinem Wissen und seinen Kontakten) nicht eine solche Erfolgsstory gewesen. Beinahe jede Landi wurde im Laufe der Zeit mit diesem Komplett-System (inkl. Bildschirmen und Druckern) ausgerüstet. Auslieferung, Installation und Wartung der kompletten Systeme wurde dann durch mich und später durch mein Team erledigt. 

Um die Beschaffungs-Kosten bzw. die Marge zu optimieren, begann ich schon bald alternative Komponenten zu den Original DEC-PDP’s zu organisieren, importieren und installieren:

Prozessor-Chip (war eine Kopie des DEC-Chips) aus Russland, Gehäuse aus England, Motherboard von Finnland, Disk und Controller aus Japan, Band-Station aus England usw.

 

Die Agro-Data-rund-um-die-Uhr-Services-OneMan-Abteilung

Schon bald wurde gewünscht, dass ich rund um die Uhr erreichbar bin. Da ich gleichzeitig auch sehr oft in der ganzen Schweiz unterwegs war, bekam ich im Jahr 1985 als erster Mitarbeiter ein Mobil-Telefon und ein eigenes Geschäftsfahrzeug. Der Suzuki SJ410 mit Stoffdach war ein ausdrücklicher Wunsch von mir. Einen solchen hatte ich in den Ferien am Strand in der Türkei gesehen und wollte unbedingt selbst einen solchen. =D (das Foto ist übrigens nur ein Beispiel wie er ausgesehen hat)

Der Wunsch war zwar beim Corvette und Maserati fahrenden Chef auf pures Unverständnis gestossen (WAAAS? mit sonere hässliche Chiste chasch doch ned zu de Chonde….), aber schlussendlich fuhr ich schon bald «hoch auf dem gelben Wagen» durch die ganze Schweiz. Leider musste ich aber schon bald feststellen, dass die Fahrzeug-Grösse für die meisten Auslieferungen und Installationen eher suboptimal war. Daher musste schon bald zusätzlich ein Anhänger beschafft werden. Da der schon vorher schwach motorisierte Suzuki mit dem Anhänger nun endgültig zu einem fahrenden Verkehrshindernis wurde, machte die grelle gelbe Farbe (war übrigens nicht meine Wunschfarbe, war aber der günstigste Occasions-Wagen) urplötzlich Sinn. 

 

Mein Natel C, das Storno 6000 war zwar mehr oder weniger portabel, aber mit der Grösse und rund 6 kg Gewicht (inkl. Akku) nicht unbedingt was man heute unter einem Mobil-Phone versteht. 

Der Jeep war so laut und die Tonqualität des Storno so schlecht, dass man eigentlich nur mit stehendem Fahrzeug telefonieren konnte. Das Armaturenbrett des armen Suzuki ist jeweils fast flüssig geworden, so stark heizte sich das Monster-Handy im Einbauschacht auf.

Als ich einmal Segeln ging und die Tasche mit dem Storno drin dem Skipper über die Reling reichte, hat er sich eine Zerrung geholt und ist dabei noch beinahe vom Boot gefallen, so überrascht war er vom Gewicht meiner Tasche mit dem darin versteckten Handy. (ich wollte nicht als «Blöffer» dastehen und habe daher niemanden etwas vom kiloschweren Inhalt gesagt…)

Ebenfalls ein Relikt aus diesen frühen Tagen, das tolle, coole und viel bewunderte Elektronik-Platinen-Akten-Köfferli! (erst letzte Woche beim Aufräumen in einem Schrank wiedergefunden) 

Leider völlig unpraktisch (wie der Suzuki-Jeep!) da viel zu klein (es passte nicht mal ein normaler Bundesordner rein) aber für ein paar Schraubenzieher, einen Block und einen Kugelschreiber reichte der Platz. 

Hatte ich irgendwo aus den USA importiert und ich denke es war das einzige in ganz Europa. Ich habe auf jeden Fall vorher und nachher nie etwas ähnliches gesehen =D

Fazit: Design muss nicht immer praktisch sein!

AGRO-DATA in den 80er und 90er-Jahren

Das Landi-Special-Force-Team! Hier bereits mit Harry Stutz auf dem Bild, meinem allerersten Mitarbeiter und dem Kathodenstrahl-Oszillographen. (der war zwar mehr Schein als Sein, aber hinterliess immer einen äusserst professionellen Eindruck und vermittelte unausgesprochen, komplexes Spezialwissen und High-Tech-Flair.

Während die Firma langsam wuchs, gab es auch immer wieder Gruppenfotos auf welchen Mitarbeiter zu sehen sind, welche immer noch bei uns arbeiten oder den «älteren» von uns noch in Erinnerung geblieben sind. Trotz meinem unglaublich schlechten Namens-Gedächtnis kann ich noch fast alle beim Namen nennen. (dem sagt man glaub ich Langzeit-Gedächtnis…. etwas was vor allem bei älteren Leuten sehr ausgeprägt ist… also mir =D)

Organigram/Köpfe-Sammlung

Wer mal schauen möchte, wie sich zum Beispiel ein Dani Kaufmann oder ein Marco Meier und viele andere im Laufe der Jahre verändert haben, so gibt es hier in der Organigram/Köpfe-Sammlung einiges zu lachen. Auch ehemalige Mitarbeiter(innen), welche einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, jedoch der Name nicht mehr geläufig ist, können hier schnell ausfindig gemacht werden.

=> PDF LINK

Fahrsicherheits-Training mit beinahe Frontal-Crash

Wie man hier schön sieht, war der Peugot 205 damals ein beliebtes Firmenfahrzeug (nicht bei mir, gut am Mitsubishi Pajero im Hintergrund zusehen… der Suzuki-Jeep war inzwischen nämlich endgültig zu schwach und unpraktisch geworden =D)

Um die Fahrsicherheit zu erhöhen wurden alle Fahrer nach Safenwil zu einem Fahr-Sicherheitstraining eingeladen. So weit so gut, ausser dass ich beinahe einen Frontalzusammenstoss mit dem Instruktor hatte. Da ich dachte ich weiss sowieso schon alles, hörte ich bei der Instruktion zur Rundkurs-Aufgabe nicht richtig hin und überhörte, dass der Instruktor auf der Gegenfahrbahn entgegen düsen wird. Beim Schneiden der vierten Kurve hatte ich dann fast einen Herzstillstand als plötzlich ein anderes Auto entgegenkam. Der anschliessende heftige Zusammenschiss hätte also sehr gut verhindert werden können…. wenigstens haben es alle heil überstanden.

General-Importeur von PC’s

Mangels europäischer Fachzeitschriften, die mich interessierten, hatte ich ein Abonnement vom amerikanischen Infoworld und sah dort eines Tages ein Inserat mit einem PC welcher endlich (nachdem es bis dahin nur hässliche Klötze zu kaufen gab) den ästhetischen Ansprüchen genügte. 

Leider gab es diese in Europa nicht zu kaufen, weil DEC in Europa mit Olivetti einen Exklusiv-Vertrag hatte für den Bau der hässlichen, sogenannten «Decivett’s» (ironisches Wortspiel aus Dec und Olivetti) 

Über einen Händler in den USA habe ich daher begonnen, diese Slim-Line DEC PCs selber zu importieren und siehe da, sie verkauften sich wie warme Weggli… das wurde dann für die hiesige DEC-Geschäftsleitung ein echtes Problem, weil wir bald mehr Import-PCs verkauften als sie selber die europäischen «Decivetti’s». 

Nach langem Hin und Her mit dem US-Headquarter bekamen sie dann das OK, dass sie trotz laufendem Vertrag mit Olivetti uns mit den Slim-Line PCs beliefern durften. 

Wir waren übrigens so erfolgreich im Verkauf, dass ich an einer Händler-Veranstaltung auf dem Schloss Lenzburg des damaligen Disti’s Alltron, mit rund 400 Gewinn-Losen (pro verkauften PC gab es ein Los) auftauchte. Beim Empfang mussten sie die Verlosungsboxen extra wegen mir öffnen, damit es keinen Eintritts-Stau gab wegen mir (schliesslich hätten sonst alle Lose durch die schmalen Schlitze müssen). Die meisten der anwesenden Händler hatten nur wenige Lose mitgebracht und da die 10 Gewinn-Preise alle heutigen Massstäbe sprengten (1. Preis ein Alfa-Romeo im Wert von 45'000.- 2. Preis ein Weltreise für 21'000.- usw.) änderten Alltron kurzerhand die Regeln und erklärten dass pro Händler maximal 2 Gewinne möglich sind. So kam es, dass ich nach dem Gewinn von Preis 7 (ein 2000.- City Bike) und Preis 6 (ein 3000.- Mountainbike) leider aus dem Rennen war….   

Bier-Sammlung

Einer der Techniker hat mal aus seinen Ferien in England ein paar Büchsen Bier mitgebracht und am ersten Abend nach seinen Ferien, haben wir dann gemeinsam das mitgebrachte Bier degustiert. Das hat allen so gut gefallen (man sieht es gut an den strahlenden Gesichtern!), dass sich daraus eine richtig schöne Tradition entwickelte. Fortan brachte jeder ein paar exotische Bier-Büchsen aus den Ferien mit, welche dann gemeinsam degustiert wurden und anschliessen in die Ausstellung aufgenommen wurden. 

Im Laufe der Zeit hat sich dann die Anzahl auf weit über 500 Büchsen erhöht. In die Ferien ging man mit einer grossen, ausgedruckten Excel-Liste und es wurde oft ganze Ferientage geopfert, auf der Suche nach einer noch ungetrunkenen Rarität… Bald wurde dann auch die Werkstatt zu einer permanenten Bierbüchsen-Ausstellung umgebaut und bei jedem Kundenbesuch begeistert begutachtet. (ist wirklich wahr!) Selbst Bill Gates durfte am Schluss zwischen den Büchsen noch einen Ehrenplatz einnehmen.

Übrigens sind von den 5 Biertrinker auf dem Foto aus den Anfangs-Tagen immer noch 4 bei der BitHawk. (OK, der in der Mitte eigentlich nun nicht mehr)

Erster eigener Werbe-Flyer

Durch das langsame, aber stetige Wachstum von der 1-Mann-Abteilung zu inzwischen 5 Leuten musste wir eine räumliche Erweiterung ins Auge fassen und wir konnten diese grosse Wellblech-Werkstatt beziehen. (man beachte die seeehr handgemachte Entfernung des Logos vom vorherigen Mieter und das nicht viel professionellere Einfügen unseres Logos…)

Um das Service-Angebot auszubauen wollte ich unbedingt einen eigenen Werbe-Flyer. Gestaltung und Idee kamen von mir, aber für die Fotos vor der Werkstatt hatte ich das Gefühl braucht es noch ein paar Leute mehr. Also fragte ich kurzerhand Roger Wipfli und Thomas Zwimper von der Data-Unit, Richard Muri sowie Chef Kari Hoppler ob sie mit aufs Foto möchten, damit es nach ein bisschen mehr aussieht. Es machten dann auch alle gerne mit, aber sie weigerten sich leider ihre Krawatten auszuziehen, was mich ziemlich in einen Gewissens-Konflikt brachte… mehr Eindruck dank mehr Personen im Service-Bereich oder klar erkennbares Fake-Foto, da Techniker mit Krawatte schon sehr unglaubwürdig wirken…. 

Im Inneren der Wellblech-Hütte. Es war eine großartige Werkstatt, nur leider im Sommer ein Brutkasten und im Winter ein Kühlschrank. 

Wie der fertige Flyer zeigt, habe ich mich schlussendlich schweren Herzens für den besseren Eindruck mit mehr Personen entschieden. Aber es war auch der Startschuss für einen weiteren Job als Marketing-Fachmann 

Ausschnitte aus weiteren «historischen Broschüren und Karten»

20 Jahr-Jubiläums-Broschüre

PART 2